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  • AutorenbildManuela Kägi

Umgang mit Schuld: Ein Weg zur inneren Freiheit




In unserer modernen Gesellschaft sind wir alle in gewisser Weise konditioniert. Diese Konditionierungen beeinflussen unser Denken, Handeln und unsere Emotionen. Doch wie können wir diese Konditionierungen auflösen, um ein freies und authentisches Leben zu führen? In diesem Blogbeitrag möchte ich euch auf meine Reise zur Erkenntnis und zur Auflösung von tief verwurzelten Glaubenssätzen und Konditionierungen zum Thema Schuld mitnehmen.


Jeder Mensch ist gut


Da ist er, dieser Satz, dem ich nur oberflächlich zustimmen konnte. Selbst die einfache Gegenfrage: «Oder hast Du schon einmal ein böses Baby gesehen?», konnte mich nicht restlos überzeugen bzw. ließ mich mit meinem kritischen Geist im Regen stehen.


Da will ich also Menschen begleiten und unterstützen, aber in meinem tiefsten Innersten ist da diese Irritation, Abneigung oder gar Negierung dieses Menschenbildes. 


Wenn der Trigger an die Tür klopft


Wenn ein Trigger so heftig an die Tür klopft, kannst du sicher sein, dass du nach Innen schauen darfst. Dir die Frage stellen, was das mit dir zu tun hat. Um uns selbst besser zu verstehen und zu wachsen, ist es unerlässlich, sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen. Emotionen sind ein wesentlicher Teil unseres Seins und können uns viel über unsere inneren Zustände verraten. Wir können lernen, zu erkennen, zu akzeptieren und auszudrücken, was einfach in uns da ist, wertungsfrei.


Da war dieses Baby in meinem Kopf, hilf- und schutzlos, staunend und lebensbejahend: unschuldig und ja, ich durfte zustimmen: ein gutes Baby. Das Baby wurde größer, selbstständiger, eine kleine Persönlichkeit. Bis zum Tag X im Sandkasten, wo das Kleinkind seiner Spielgefährtin den kleinen Bagger über den Kopf haut. Kleinkind wird vom Papa getadelt, Kleinkind weiß jetzt Bescheid: Man tut anderen nicht weh. Same Sandkasten, ein paar Stunden später, Kleinkind haut der kleinen Gefährtin den Bagger abermals über den Kopf: Was hat sich geändert? Kleinkind ist jetzt schuldig. Es wusste Bescheid!


Wir alle wissen Bescheid. Da war es, mein Paradoxon. Wie kann ich glauben, der Mensch, ja auch ich, sei gut, wenn wir uns doch allesamt wissentlich mit Schuld beladen?


Schuld in der Gesellschaft


Fleischesser: schuldig. Umweltverschmutzer: schuldig.


Zwischenzeitlich ist das Kleinkind zum Schulkind herangewachsen. Wildes Spiel und Spielgefährtin wird mal husch mit voller Absicht weggeschubst. Papa eilt wiederum herbei und schimpft. Aber Schulkind nimmt die Schuld nicht an! Nö, denn die Spielgefährtin hat vorher, als der Papa nicht hingeschaut hat, auch geschubst. Nun ist unser schuldiges Schulkind - das schuldige Opfer. Oder Moment, das unschuldige Opfer natürlich. Die Grenzen werden verwischt, der Täter ist das Opfer, das Opfer der Täter.


So, vorbei ist es mit der klaren Schuldigkeit. Was hat uns denn geprägt, dass wir so - vermeintlich - klar die Menschen in Opfer und Täter einteilen? Und woher kommt dieses kollektive Schuldverständnis, das so schwer auf uns lastet?


Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich wanderte durchs finstere Tal. Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Die 10 Gebote: Du sollst nicht! Als Sünder auf die Welt geschickt, um uns mit dem jüngsten Gericht zu drohen und dem Fegefeuer, wenn wir uns dann nicht christlich genug verhalten.


Erwartungen an das Böse, die wir in uns tragen, mit denen wir unseren Mitmenschen begegnen. Erwartungen, die besagen, dass wenn niemand hinschaut, es keine Strafen gibt und der Mensch schlecht agiert?


Achte auf das, was du dir zuführst.


Das gilt nicht nur beim Essen, sondern auch für unser Gehirn.


Unser Geist ist ständig auf der Suche nach Nahrung – Informationen, Gedanken und Eindrücken. Doch oft nehmen wir unbewusst negative und schädliche Gedankenmuster auf, die unsere Sicht auf uns selbst und die Welt prägen. Wieso erwarten wir den Hinterhalt, wenn wir durch dunkle Gassen gehen? Wie sollen wir das Grauen auf der Welt, dem wir jeden Tag ausgesetzt sind, verarbeiten?


Das gelingt nur durch bewusste Auseinandersetzung und Reflexion. Wir können diese Muster erkennen und nach und nach durch positive und konstruktive Gedanken ersetzen, indem wir den Fokus auf das Gute legen.


In meiner Suche nach dem Guten in den Menschen stieß ich auf viele inspirierende Geschichten und wissenschaftliche Studien. Beispielsweise das Weihnachtswunder von 1914, bei dem verfeindete Truppen gemeinsam Weihnachten feierten, oder die Theorie des Homo Puppy, die das kooperative und freundliche Verhalten von Menschen betont. Diese Geschichten und Studien zeigten mir eine andere Welt, eine Welt, in der in uns allen das Gute vorhanden ist.


Neuer Fokus


Ein wichtiger Schritt auf meiner Reise war die Erkenntnis, dass ich selbst gnädig mit meinen Mitmenschen bin. Ich entschied mich oft, Mitgefühl zu zeigen, anstatt zu urteilen. Diese Haltung half mir, mich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Durch das Erleben bedingungsloser Liebe und tiefer Freundschaften lernte ich, auch mir selbst zu verzeihen und mich so anzunehmen, wie ich bin.


Freiheit beginnt im Inneren


Es ist die Freiheit, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, unabhängig von äußeren Erwartungen und Konditionierungen. Dies bedeutet auch, Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen und uns selbst zu verzeihen, wenn wir Fehler machen. Die Reise zur Auflösung von Konditionierungen ist lang und herausfordernd, aber sie ist es wert. Indem wir uns selbst und anderen vergeben, Mitgefühl zeigen und uns selbst lieben, können wir ein freies und erfülltes Leben führen. Akzeptanz führt zur Selbstliebe im Innen und zur Demut im Außen. Das ist – meines Erachtens – der Schlüssel für eine liebevolle und schöne Welt.


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